Klappern gehört zum Liebesglück

 

Von Sabine Robrecht

Höxter/Ovenhausen (WB). Klappern gehört zum Handwerk – und zum Liebeswerben der Weißstörche. In Ovenhausen bei Höxter klappert ein frisch verliebtes Paar nach Herzenslust und zur Freude vieler Menschen. Auf dem stillgelegten Schornstein der Firma Maderas Holztechnik hat es sich niedergelassen. »Wir freuen uns riesig«, strahlt Dr. Norbert Tenkhoff, Vorsitzender des Freundeskreises Grubestörche.

Die inzwischen 20 Mitglieder umfassende Gruppe hat sich die Ansiedlung von Weißstörchen auf die Fahnen geschrieben und im vergangenen Jahr zwei Nisthilfen gebaut – eine in Lütmarsen und eine auf dem mehr als 22 Meter hohen Schlot auf dem Betriebsgelände an der Ortsdurchfahrt von Ovenhausen. »Drei Jahre wollten wir dem Projekt Zeit geben«, sagt Dr. Tenkhoff. Solange wollte Meister Adebar aber nicht warten. Dafür ist das Nest in Ovenhausen viel zu schön! Ab dem 8. April waren immer wieder ein oder zwei Störche da. Kurz vor Ostern schien ein Männchen sich schließlich niederzulassen. Emsig baute er am Nest. Eine Partnerin ließ aber auf sich warten.

Drei sind einer zu viel

Tage später beobachteten die Naturfreunde dann zwei Störche auf dem Schornstein. Plötzlich waren es sogar drei. Das sind einer zu viel. Entsprechend turbulent ging es über dem Firmengelände zu: »Wir konnten Luftkämpfe beobachten. Die Störche flogen über unsere Köpfe hinweg«, erzählt Ralf Lüke, einer der beiden Geschäftsführer der Firma Maderas. Ein Storch zog schließlich den Kürzeren und verschwand. »Vielleicht war es ja derjenige, der zuerst da war«, vermuten Ralf Lüke und Norbert Tenkhoff. So ein Pech aber auch!

Hochzeit und Richtfest

Zwischen den verbliebenen Vögeln hat es inzwischen gefunkt. Norbert Tenkhoff hat die Paarung am Mittwochabend mit eigenen Augen gesehen. »Das waren Hochzeit und Richtfest.« Jetzt klappern die beiden Verliebten so wunderschön, dass Firmenmitarbeiter und Nachbarn immer wieder verzückt zum Schlot hinauf schauen. Hier und da fliegt einer der beiden los und kehrt mit einem Schnabel voll Nistmaterial zurück.

Fest zur Begrüßung

Begrüßen will der Freundeskreis die Störche gemeinsam. Die Kinder des Kindergartens dürfen dem Paar Namen geben. Ewald Frisch, ehrenamtlicher Weißstorchbeauftragter für den Kreis Höxter, kommt mit seinem Spektiv nach Ovenhausen, um die Nummern der Ringe abzulesen. Sie geben Auskunft darüber, woher die Störche stammen. Der Freundeskreis hat sämtliche Beobachtungsdaten auch ans Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW in Recklinghausen gegeben. Dort werden die Besonderheiten geschützter Vogelarten dokumentiert.

Derweil lässt das junge Glück hoch oben im Nest sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Der Trubel unten ist dem klappernden Liebespaar völlig egal. Familie Storch wird den wunderbaren Blick auf die Landschaft sicher in vollen Zügen genießen.

Quelle: Westfalen-Blatt vom 28.04.2017